Meine Story

Die Anfänge im Yoga

Um das Jahr 2002 herum, ich arbeitete gerade bei einer der grossen Wirtschaftsprüfungen und verbrachte den Großteil meiner Zeit in verschiedenen Hotels, fand ich mich plötzlich in einer persönlichen Krise wieder. Ich konnte mich im wahrsten Sinne des Wortes „nicht mehr leiden.“ Mein Lebensstil, die Art, wie ich Beziehungen führte, das ständige Unterwegssein. Nichts davon empfand ich zu dieser Zeit als wirklich wünschenswert in meinem Leben. Aber ich hatte keine wirkliche Idee, was ich anders machen könnte.

Beim Lesen eines Buches über östliche Kulturen stieß ich auf den Begriff „Yoga“ und erinnerte mich, dass eine gute Freundin erwähnt hatte, dass sie Yoga macht. Da ich diese Freundin als im positiven Sinne verändert erlebt hatte, wurde mein Interesse geweckt. Und gleichzeitig kam durch das Lesen eines Buches über Buddhismus der Begriff „Meditation“ in mein Leben.

Nach ersten Versuchen mit den „5 Tibetern“ und der fast abschreckenden Erfahrung einer Power-Yoga-Stunde in einem Fitness-Studio war mir klar, dass ich einen Kurs besuchen sollte, um Yoga systematisch zu lernen. Nur wie, da ich doch immer in wechselnden Projekten eingesetzt war?

Zufällig entdeckte ich dann Anfang 2003 in Bad Godesberg einen Flyer über neue Yogakurse und meldete mich an. Gleichzeitig belegte ich einen Meditationskurs im Haus Siddharta. Und ich begann täglich Meditation, Pranayama und Asanas zu praktizieren.

Ich weiß nicht, ob es die Meditation war oder der Yoga oder beides, aber ich erlebte eine unmittelbare Wirkung. Der Stress, der mir sonst in meiner Projektarbeit manche schlaflose Nacht bereitet hatte, schien plötzlich von mir abzuperlen und ich begann meinen Körper als leicht und feingliedrig zu erleben. Und im Sommer 2003 machte ich auch meine erste Erfahrung in einem Yoga-Ashram, bei Yoga Vidya im Westerwald.

Als ich später bei meiner Yogalehrerin mein Interesse bekundete, mehr über Yoga lernen zu wollen, kam als Antwort: die beste Möglichkeit, Yoga in seiner Tiefe kennenzulernen, ist eine Yogalehrerausbildung.

Yogalehrerausbildung in Indien und danach

Und so flog ich Anfang 2004 nach Indien, um im Sivananda-Ashram Neyyar Dam an einer 4-wöchigen Yogalehrerausbildung in der Tradition von Swami Sivananda und Swami Vishnu-devananda teilzunehmen. Meine Intention für diese Ausbildung war, viel über Yoga zu lernen. Yoga zu unterrichten, stand zu diesem Zeitpunkt nicht auf meinem Zettel.

Die Zeit der Yogalehrerausbildung war einfach unglaublich. Mehr als 200 Teilnehmer aus der ganzen Welt sorgten für ein besonderes Flair. Und Freundschaften, die in dieser Zeit entstanden sind, bereichern noch heute mein Leben.

Nach der Ausbildung wurde ich auf einem längeren Projekt in der Nähe von Frankfurt eingesetzt. Durch die Nähe zu Mainz traf ich mich im Yoga Vidya Zentrum Mainz mit einer Teilnehmerin meiner Ausbildung zum Satsang und verliebte mich regelrecht in diesen schönen Ort. Die Satsangbesuche wurden regelmäßiger und recht bald konnte ich eine erste Yogastunde unterrichten. Das war die nächste Offenbarung. Es war das erste Mal, dass ich unmittelbar mit meinem Handeln auf Menschen „einwirkte“ (bisher waren es eher Prozesse und Systeme). Und zu erleben, wie die Teilnehmer den Raum betraten, sich während der Stunde entspannten und wie sie dann die Stunde verließen, löste in mir eine unglaubliche Erfüllung aus. Und ich begann, wöchentlich im Zentrum zu unterrichten.

Im Spätsommer 2004 kamen ein paar Ereignisse zusammen: Das Projekt ging dem Ende entgegen (und damit rückte auch das Ende des Unterrichtens in Mainz näher); ich überlegte, wie ich an einem 3-Monats-Sadhana-Kurs in Schweden teilnehmen konnte; meine Arbeit erfüllte mich immer weniger und ein Mitarbeiter verließ das Zentrum in Mainz. Und so kündigte ich mit dem Plan, nach dem 3-Monats-Kurs in Schweden zu Yoga Vidya Mainz zu wechseln.

Der Kurs in Schweden und die Anfänge bei Yoga Vidya

Im Januar 2005 fuhr ich nach Südschweden zum 3-Monats-Sadhana-Retreat der Skandinavischen Yoga und Meditationsschule. Der Gründer und Leiter der Schule, Swami Janakananda war direkter Schüler von Swami Satyananda, bei dem er Ende der 60er-Jahre lernte. Zu dieser Zeit lag der Fokus von Swami Satyanandas Lehre auf den tantrischen Praktiken und Swami Janakananda gibt bis heute diese Praktiken in seinen Kursen weiter, was mittlerweile ziemlich einmalig ist. Während des 3-Monats-Kurses steht der tantrische Kriya Yoga im Mittelpunkt, welchen wir in einer ca. 30-tägigen Schweigeperiode erlernten. Das Erlernen wurde vorbereitet und begleitet von weiteren Praktiken wie z. B. Yoga Nidra, Antar Mauna und Prana Vidya.

Diese Zeit und auch meine darauffolgenden Ausbildungen in Yoga Nidra und Pawan Mukta Asana sollten meine eigene Praxis in den kommenden Jahren und meinen Hatha Yoga Unterricht bis heute entscheidend prägen.

Nach meiner Rückkehr startete ich in Mainz meine Mitarbeit bei Yoga Vidya. Obwohl ich immer gesagt habe, dass ich hauptsächlich in das Zentrum nach Mainz und weniger zu Yoga Vidya gegangen bin und die Zeit in Mainz einfach nur großartig war, war es eher ein kurzes Intermezzo, bis ich im Oktober 2006 nach Frankfurt/ M. ging, um die Leitung des dortigen Yoga Vidya Zentrums zu übernehmen.

Während ich in Mainz von einer schon bestehenden Energie im Zentrum profitieren konnte, musste diese in Frankfurt erst einmal entstehen. Aber im Laufe der ersten Monate entstand eine schöne Gemeinschaft aus Lehrern und Schülern des Zentrums und für viele Menschen wurde das Zentrum ein zweites Zuhause. Die drei Jahre in Frankfurt waren wirklich außergewöhnlich und ich vermisse oft diese Zeit und die Menschen im Zentrum.

Im Sommer 2009 wurde dann die Frage an mich herangetragen, ob ich nicht das Seminarhaus im Westerwald leiten möchte. Diesmal brauchte ich etwas länger für meine Entscheidung, da ich Frankfurt eigentlich nicht verlassen wollte. Aber zum Jahresbeginn 2010 startete dann meine nächste Etappe, die Leitung eines Seminarhauses mit ca. 100 Betten und ca. 25 Mitarbeitern. Da knapp die Hälfte der Wochenenden im Westerwald der 2-Jahres-Yogalehrerausbildung gewidmet war, begann sich auch mein Unterrichtsspektrum zu verändern. Ich habe zwar seit 2006 jährlich die 2-Jahres-Yogalehrerausbildung in Mainz (1x) und in Frankfurt (3x) geleitet, aber trotzdem war der Schwerpunkt meines Unterrichts die Hatha Yoga Stunden und Kurse. Diese zu unterrichten wurde im Westerwald eher selten für mich, dafür hielt ich die Vorträge an den Ausbildungswochenenden und begann, die 4-Wochen-Yogalehrerausbildung zu unterrichten, was bis heute ein unglaubliches Erlebnis für mich ist.

Begegnung mit dem klassischen Vedanta

Während eines Besuchs bei Freunden traf ich im Herbst 2006 einen Lehrer des klassischen Vedanta, Swami Suddhananda, einem Schüler von Swami Chinmayananda und Swami Dayananda. Ich konnte ihm während einiger Vorträge im Rahmen einer Yogalehrerausbildung zuhören, mein Geist war dabei jedoch voller Widerstände. Geprägt durch meine Ausbildung und die Zeit danach war meine Vorstellung, ich müsste nur intensiv und lange genug praktizieren, um das Ziel der Praxis (Befreiung oder was ich mir darunter vorstellte) zu erreichen. Und hier saß jemand und sagte: „Um das zu sein, was Du bist, ist kein Sadhana notwendig.“ Obwohl mein Geist diese Aussagen als absurd ablehnte, lud ich Swami Suddhananda 2007 nach Frankfurt ein und belegte ein mehrtägiges Retreat bei ihm zum „Atma Shatkam“ bzw. „Nirvana Shatkam“, sechs Versen, die Shri Adi Shankara zugeschrieben werden. Während dieser Tage brach mein Widerstand in sich zusammen und ich verstand, was diese Worte ausdrücken wollten. Und ich fühlte, dass sich gerade eine neue Tür meines Weges öffnete und betrachtete Swami Suddhananda von da an als meinen Lehrer.

Ende 2007 und auch die beiden folgenden Jahre fuhr ich nach Süd-Indien (Tiruvannamalai am Arunachala) in den Ashram meines Lehrers für jeweils zwei- bis dreiwöchige Camps zur „Tattva Bodha“ und zur „Kenopanishad“. Und obwohl ich Swami Suddhananda seit 2010 nicht mehr persönlich getroffen habe und ich durch Ereignisse um seine Person in eine Phase von tiefen Zweifeln gestürzt bin, bin ich doch unglaublich dankbar über diese Zeit und das Fundament, dass in diesen Jahren gelegt wurde. Denn darauf aufbauend konnte ich mich weiter entwickeln und mein Verständnis der Schriften mehr und mehr vertiefen.

Und ich bin dankbar, auf diese Weise erlebt zu haben, welche Kraft in dieser Lehre des Vedanta steckt, wenn sie auf traditionelle Weise entfaltet wird. Wo vorher nur abstrakte und irgendwie ferne Begriffe wie Maya, Brahman und Atman erwähnt wurden, begannen diese Worte nun lebendig zu werden. Und ich verstand mehr und mehr, dass dieselben Worte hilfreich oder hinderlich sein konnten, je nachdem, wie ihre Bedeutung entfaltet wird. Aus diesem Erleben und der Erfahrung meiner eigenen Widerstände und Missverständnisse entstand in mir der tiefe Wunsch (oder fast die Passion), Vedanta auf diese traditionelle Weise zu unterrichten mit dem Ziel, die Missdeutungen und Ungenauigkeiten, die ich oft erlebt habe zu vermeiden. Und so ist der traditionelle Vedanta bis heute der Schwerpunkt meines Unterrichts.

Und heute?

Anfang 2013 verliess ich den Westerwald, verbrachte dreieinhalb Monate in Indien in der Nähe von Uttarkashi und landete nach einem kurzen Aufenthalt im Seminarhaus Bad Meinberg im Yoga Vidya Zentrum Speyer. Als stellvertretender Zentrumsleiter unterrichte ich in Speyer (Yogalehrerausbildung, Vedanta Jahresgruppen u. a.), aber auch weiter in den Yoga Vidya Seminarhäusern (4-Wochen-Yogalehrerausbildungen, Yogalehrer-Weiterbildungen, Schweigeretreats) und auch an anderen Orten.

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